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Markus Lenzen
Canon RF 70-200mm F2.8L IS USM Z – mehr als nur ein weiteres Telezoom
Ende Oktober 2024 stellt Canon der Öffentlichkeit das neue RF 70-200 mm F2.8 L IS USM Z vor! Canon möchte mit diesem neuen F2.8 Telezoom sowohl Fotografen als auch Videografen glücklich machen! Fotografen bekommen das von vielen gewünschte Telezoom mit Innenzoom und einer Kompatibilität zu den RF Telekonvertern. Videografen erhalten ein Telezoom-Pendant zum RF 24-105 mm F2,8 L IS USM Z mit absolut identischem Gehäuse für eine perfekte Austauschbarkeit im Filmsetup. Zudem kann das Hybrid-Zoomobjektiv auch mit einem optionalen Powerzoom-Motor betrieben werden. Da ich ein reiner Fotograf bin, gehe ich auf die Nutzung in der Videografie nicht weiter in diesem Blogbericht ein und beziehe mich auf den Einsatz in der Naturfotografie.
Kurz vorab: Das Objektiv habe ich mir selber bei AC-Foto gekauft und die hier geschilderten Erfahrungen beziehen sich auf eine Nutzung seit über einem halben Jahr.
Canon RF 70-200 2.8 Z an einer Canon R5 II – rechts seht ihr den Arca-Swiss kompatiblen Leofoto CF-07 Objektivfuß der perfekt für das 70-200 passt und preislich auch sehr attraktiv ist 😉
Die wichtigsten technischen Daten kurz und knapp:
- Länge: 19,9 Zentimeter
- Durchmesser: 8,9 Zentimeter
- Gewicht: 1,11 Kilogramm
- geniale Naheinstellgrenze von 68cm bei 200mm Brennweite
- Filterdurchmesser: 82mm
- Kompatibel mit RF-Extendern
- Staub-/Spritzwasserschutz
Der erste Eindruck:
Beim ersten Auspacken aus dem Karton fällt mir direkt das geringe Gewicht auf. Im Vergleich zum RF100-500 wirkt das RF70-200 2,8 extrem leicht. Mit einer montierten Canon R5II liegt das Objektiv perfekt in der Hand und ist sehr gut ausbalanciert. Hingegen bei der Nutzung der Telekonverter, insbesondere des RF 2x Extender, wirkt die Kombination deutlich hecklastiger und liegt nicht mehr ganz so gut in der Hand. Als nächstes fällt direkt der neue Blendenring ins Auge. Dieser läuft klicklos und erlaubt feinste Veränderungen in 1/32 Stufen, was primär für Videoaufnahmen sinnvoll und interessant ist. Der Blendenring funktioniert im Fotomodus übrigens nur mit den neuesten R Kameras, zum Zeitpunkt des Blogberichts sind das die Canon R5II und Canon R1. Ich persönlich lasse den Blendenring fest in der Automatikposition eingestellt, was bedeutet, dass man die Blende ganz normal und wie gewohnt über die Kamera einstellt.
Was mir ebenfalls sehr gut gefällt, ist die Objektivschelle. Diese läuft super smooth und gleichmäßig, lässt sich perfekt feststellen und man kann sogar mit wenigen Klicks den Objektivfuß direkt gegen einen Arca-kompatiblen aus dem Zubehör der Fremdhersteller tauschen. Das Einzige, was ich tatsächlich vermisse, ist eine kurze Arretierung in den jeweiligen 90 Grad Positionen.
Aber warum gibt es jetzt auf einmal ein zweites RF 70-200 2.8 ?
Genau das ist eine berechtigte Frage! Gibt es doch schon das sehr kleine RF 70-200 2.8 mit ausfahrendem Tubus seit ein paar Jahren!
Ja, richtig! Es ist sogar, was das Packmaß angeht, noch kleiner und erreicht erst durch den ausfahrenden Tubus beim Zoomen auf 200mm eine vergleichbare Baulänge wie das neue RF 70-200 2.8 Z. Aber im Gegenzug wiegt das neue RF 70-200 2.8 Z mit rund 1115 Gramm nur 45 Gramm mehr als das kleine RF 70-200 2.8. Das ist absolut zu vernachlässigen, und ich persönlich schätze es hingegen deutlich mehr, dass das neue RF 70-200 2.8 Z keinen ausfahrenden Tubus hat und sowohl mit dem 1.4x als auch 2.0x RF Extender kompatibel ist. Ob die im Einsatz überzeugen können – später mehr.
Was ist denn dann am neuen RF 70-200 2.8 so interessant?
Jetzt kommt der eigentliche Punkt, der mich am neuen RF 70-200 F2.8 so begeistert hat. Und zwar die geniale Naheinstellgrenze von 68cm bei 200mm. Das alleine wäre jetzt noch nichts Besonderes. Aber das neue RF 70-200 2.8 Z ist tatsächlich das erste Canon 70-200mm 2.8 Zoom, das schon im absoluten Nahbereich mit einer brillanten Schärfe überzeugen kann! Für mich persönlich einfach ein deutlicher Mehrwert als „nur“ ein weiteres 70-200 Telezoom!
Aber erst einmal der Reihe nach…
Das RF 70-200 2.8 Z ist ein vielseitiges, lichtstarkes Zoomobjektiv, das sich hervorragend für verschiedene Fotografieanwendungen eignet. Es ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu einem Superteleobjektiv und bietet eine außergewöhnliche Abbildungsleistung, die keine Wünsche offen lässt. Der Autofokus ist unglaublich schnell und zuverlässig, während der Bildstabilisator zu den besten gehört, die ich je benutzt habe. Er ermöglicht es, selbst bei 200 mm und relativ langen Verschlusszeiten im Verhältnis zur Brennweite verwacklungsfreie Bilder aufzunehmen.
Darüber hinaus ist das Objektiv mit den RF Telekonvertern kompatibel, was es zu einer großartigen Ergänzung zu einem 400 mm oder 600 mm Superteleobjektiv macht. Das RF 100-500 ist zwar ebenfalls eine gute Wahl für diesen Zweck, aber ich persönlich bevorzuge die Flexibilität, eine Blende 2.8 im unteren Brennweitenbereich bis 200 mm zu haben und bei Bedarf die Brennweiten von 200 mm bis 400 mm mit einem Telekonverter abzudecken.
Wie gut perfomt eignetlich der Canon RF 2x Extender mit dem RF 70-200 2.8 Z
Wie bereits erwähnt ist das neue RF 70-200 2.8 Z ja auch mit den beiden RF Telekonvertern kompatibel. Ich denke, das ist für viele ein interessanter Punkt und ihr werdet euch fragen, wie gut diese Kombination in der Praxis funktioniert? Um es direkt einmal vorweg zu nehmen – sehr gut und 100% praxistauglich!
Ich habe nur den 2x Extender genutzt, weil bei einer Ausgangsbrennweite von 200mm sehe ich ehrlich gesagt den 1,4x Extender mit einem Brennweitengewinn von nur 80mm nicht als praxisrelevant.
Beim Einsatz des 2x RF Telekonverters überzeugen sowohl die Bildschärfe als auch die Geschwindigkeit des Autofokus auf ganzer Linie. Gefühlt würde ich sagen, dass die AF Geschwindigkeit minimal hinter dem RF100-500 liegt, aber immer noch extrem schnell, treffsicher und zuverlässig arbeitet, selbst bei fliegenden Vögeln!
Canon R5 II + Canon RF 70-200 2.8 Z + Canon RF 2x Extender bei 400mm F5.6 – rechts dazu passend ein 100% Ausschnitt
Hingegen bei der Bildstabilisation merkt man den 2x Extender dann schon etwas deutlicher und die ansonsten herausragende Bildstabilisierung nimmt etwas ab. Ein Techniker von Canon hat mir mal gesagt, dass beim Einsatz von Telekonvertern die Wirksamkeit der Stabilisierung ungefähr um Faktor des Telekonverters nachlässt. Also vergleichbar mit dem Lichtverlust bei der Blende. Demnach könnte man davon ausgehen, dass bei der Nutzung des 2x Telekonverters nur noch ungefähr die Hälfte des angebenden Belichtungsstufen für die Bildstabilisierung zur Verfügung steht.
Der Einsatz in der Planzen- und Schmetterlingsfotografie
Kommen wir zu dem Punkt, warum das Canon RF 70-200 2.8 Z letztendlich einen Platz in meinem Rucksack gefunden hat. Zum einen habe ich mein Canon RF100-500 nur sehr wenig genutzt und zum anderen nervte mich mein Sigma 180mm 2.8 Macro mit der Zeit immer mehr. Nicht weil es optisch schlecht gewesen wäre, nein, es war einfach gegenüber den ganzen neuen RF Objektiven groß und vor allem schwer. Zudem waren sowohl der Autofokus als auch der Bildstabilisator nicht praxistauglich. Insbesondere der AF fokussierte einfach so ungenau, dass man damit im Nahbereich nicht arbeiten konnte. Auch wenn ich nach wie vor sehr häufig in der Pflanzen- oder Schmetterlingsfotografie vom Stativ arbeite, habe ich die Flexibilität der Freihandfotografie mehr und mehr schätzen gelernt.
Und eins direkt klar vorweg: NEIN, das RF 70-200 2.8 Z kann NICHT die Eigenschaften eines reinen 1:1 Makros wie das Sigma 180mm 2.8 Macro ersetzen! Aber wer meine Bilder kennt, weiß, dass ich Schmetterlinge und Pflanzen sehr gerne deutlich abseits des absoluten Nahbereichs bzw. 1:1 Abbildungsmaßstabes im Habitat fotografiere und genau hierbei kann das RF70-200 2.8 Z sehr wohl mitspielen.
Nachdem mir AC-Foto das 70-200 zum Testen zur Verfügung gestellt hat, habe ich es direkt mit dem Sigma 180mm 2.8 Macro verglichen. Ich wollte erst einmal herausfinden, ob es rein von Bildschärfe mit dem Makroobjektiv mithalten kann. Und ja, das sah sehr gut aus. Direkt an der Naheinstellgrenze war es ganz dicht am Sigma dran, würde sagen, es war vielleicht 5% schlechter – auf jeden Fall überhaupt nicht praxisrelevant. Entfernt man sich ein klein wenig von der absoluten Naheinstellgrenze, zeigt das Canon RF 70-200 2.8 Z bereits eine bessere Bildschärfe gegenüber dem Sigma Macro. Also in dem Punkt konnte es schon überzeugen, was ich tatsächlich nicht erwartet hatte. Bisher waren die ganzen Canon 70-200 2.8 im Nahbereich einfach richtig weich, was die Bildschärfe betraf.
Aber was in der Praxis bei Pflanzen- und Schmetterlingsfotografie noch viel positiver auffiel, war das im Vergleich zum Sigma 180mm Macro geringe Gewicht gepaart mit der gigantischen Bildstabilisation und dem extrem genauen und zuverlässigen Autofokus. Selbst im absoluten Nahbereich, verbunden mit der sehr kleinen Schärfetiefe, arbeitet dieser extrem genau und zuverlässig. Dadurch kann man dann auch mal einfach entlang der Wiesen schlendern und ohne Stativ Schmetterlinge in ihrem Habitat fotografieren. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir diese neuen Freiheiten dieses Frühjahr und Sommer sehr viel Freude bereitet haben.
Verhalten im Gegenlicht
Ein weiterer für mich sehr wichtiger Punkt ist, wie sich Objektive im Gegenlicht verhalten. Zeigt es schöne Flares oder neigt es eher zu unschönen Lichtflecken, Lichtkanten oder zu einem deutlich reduzierten Kontrast?
Es ist darin jetzt kein Weltmeister und je nach Einfall des Lichts kann es teilweise zu nicht so schönen Lichtflecken kommen. Das kommt vor allem dann vor, wenn das Gegenlicht noch recht stark ist. Der Kontrast bleibt dafür im Bild immer wunderbar erhalten.
Beim passenden letzten Licht und der Wahl des richtigen Aufnahmewinkels finde ich das Flare-Verhalten sehr ansprechend und nutze es daher sehr gerne für Aufnahmen im Gegenlicht.
Fazit:
Ich denke, ihr könnt mein Fazit schon erahnen. Ich mag das Canon RF 70-200 2.8 Z extrem gerne und setze es entsprechend häufig ein. Es hat bei mir sowohl das Canon RF 100-500 als auch das Sigma 180 2.8 Macro ersetzt. Durch die neue Qualität, was die Schärfe im absoluten Nahbereich betrifft, ist es sehr flexibel einsetzbar. Von der Tierfotografie, wenn Tiere recht nah kommen, über die Pflanzen- und Schmetterlingsfotografie, bis hin zum Teleobjektiv für die Landschaftsfotografie oder auch für Details und Formen.
Wer hauptsächlich 300-400mm (500mm) benötigt, dem empfehle ich dennoch eher das Canon RF100-500. Es ist vom Autofokus und der Bildstabilisierung bei den langen Brennweiten dem 70-200 plus Extender überlegen. Wer eher etwas Flexibleres sucht und auch gerne den besseren Bildlook bzw. die deutlich bessere Freistellung bei 70-200mm sucht, dem kann ich das RF 70-200 2.8 Z nur wärmstens empfehlen!
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